The Who: Tommy about a deaf, dumb and blind boy

Joshua Kuhn/ Musik

Es ist eine der erfolgreichsten Rock-Opera überhaupt: Gitarrist Pete Townshend schuf mit den Ideen zu „Tommy“ ein Stück Musikgeschichte. Inspiriert von dem indischen Mystiker Meher Baba, der den Buddhismus mit dem Christentum verband schuf er die Geschichte des Tommy Walker.

Dieser muss als Kind mit ansehen, wie der aus dem Krieg heimgekehrte Vater den Geliebten seiner Mutter erschlägt. Von diesem Erlebnis traumatisiert, erblindet, verstummt und ertaubt Tommy. Das „deaf, dumb, and blind Kid“ ist erschaffen. Vollkommen zurückgezogen und vernachlässigt taucht er in „Amazing Journey“ in eine völlig neue Welt ein. Durch seine Behinderung eingeschränkt entwickelt der Junge mentale Fähigkeiten und Erscheinungen. Sich ihrer Schuld bewusst, versuchen seine Eltern den Jungen verzweifelt zu heilen. Sämtliche Versuche wie z.B. der Besuch der „Acid Queen“ oder eines Predigers scheitern. Hinzu kommen Misshandlungen innerhalb der Familie („Cousin Kevin“, „Fiddle About“) und großes Missverständnis ihm gegenüber („Christmas“). Der Hörer wird dabei immer in die Sicht Tommys versetzt, dessen Schmerz und Sehnsucht nach Freiheit wird durch psychische Auswüchse spürbar. Als Tommy eines Tages vor einem Spiegel steht, spürt er sein Spiegelbild, dass ihn an einen alten Flipperautomaten führt. Dort entdeckt er sein verborgenes Talent: trotz seiner Blindheit spielt er sich intuitiv zum „Pinball Wizard“.

Von seiner Gabe begeistert, scharen sich Anhänger um den Flipperkönig, sein Reichtum finanziert seiner Mutter ein luxuriöses Leben. Diese verkraftet ihre Schuldgefühle jedoch nicht und ertränkt sie im Alkoholismus. In einem Streit schleudert Sie Tommy unbeabsichtigt durch den Spiegel („Smash the mirror“). Dieses erneute Schockerlebnis erlöst ihn von seiner Psychosomase – er ist endlich frei. Seine Gefolgschaft sieht ihn endgültig als Messias an und verehrt ihn nun offen und zahlreich. Er verwirklicht sich mit „Tommy’s Holiday Camp“ seinen Kindheitstraum und bringt dort seinen Anhängern blindes Pinballspielen bei. Jedoch scheitert das Projekt an der Kommerzialisierung durch seine Verwandten und dem ausbleibenden Erfolg. Aufgebracht über diese Enttäuschung brennt der wütende Mob das Camp nieder und tötet Tommys Eltern. Dieser kann sich retten und erfährt am Ende des Films die endgültige Erleuchtung.

Der Film ist mit festen Größen der Rockmusik gespickt, so spielt Elton John den geschlagenen Pinballchamp, Eric Clapton den Prediger, Keith Moon den Onkel, Tina Turner die Acid Queen und Roger Daltrey (Sänger der Band) Tommy höchstpersönlich. Zwischen Album und der späteren Verfilmung gibt es inhaltliche Unterschiede. Dennoch ist in beiden meiner Meinung nach die Messias-Dramaturgie klar zu erkennen. Tommy muss genau wie Jesus Leid und Verstoßung erfahren, um erleuchtet „wiederaufzustehen“ und als Messias verehrt zu werden. Am Ende wenden sich die Anhänger beider gegen sie (Judas). Am Ende bleibt ein psychodelischer Trip, der tiefe Spuren in der Denkweise des Zuschauers hinterlässt.

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