Die „Abtei im Eichwald“ Mystische Romantik

Nina Wolter/ Kunst

Mithilfe des Gemäldes „Abtei im Eichwald“ und dessen Gegenstück „Mönch am Meer“ gelang  Caspar David Friedrich der Durchbruch zu seiner  ruhmreichen Künstlerkarriere .Noch heute ist dieses Bilderpaar  das erfolgreichste der deutschen Romantik.
Was auf den ersten Blick vielleicht nur wie das Abbild einer  düsteren Landschaft wirkt, besitzt eine Tiefe und Poetik, welche zahlreiche Menschen, darunter Maler, Philosophen und Schriftsteller begeistert und  berührt hat.
Dass das Gemälde den Tod als zentrales Thema behandelt, ist durch den abgebildeten Totenzug und die düstere Darstellung der Natur unverkennbar. In einem Brief verfasste Friedrich ein paar Zeilen über das Werk und welche Schwierigkeiten es ihm bereitet: „Jetzt arbeite ich an einem grossen Bilde, worin ich das Geheimnis des Grabes, und der Zukunft darzustellen gedenke. Was nur im Glaube gesehen, und erkannt werden kann, und dem endlichen Wissen des Menschen ewig ein Räthsel bleiben wird: (mir selbst ist was ich darstellen will, und wie ich es darstellen will, auf gewisse Weise ein Räthsel)“. Wohlmöglich setzte er sich mit diesem Thema auseinander, da Friedrich den Verlust seiner Schwester -welche eine Art Mutterrolle in seinem Leben spielte- ein halbes Jahr bevor er die Arbeit an diesem Bild begann verkraften musste. Dies könnte auch der Grund dafür sein, dass der Künstler einen solch persönlichen Schauplatz für sein Werk wie seinen Geburtsort (Greifswald) wählte.

Bei der in dem Gemälde dargestellten Beerdigung handelt es sich wahrscheinlich um das Begräbnis des Mönches aus dem dazugehörigen Pendant „Mönch am Meer“. Äußerlich sind die beiden Bilder völlig verschieden: unterschiedliche Farbgebung, unterschiedliche Landschaften, unterschiedliche Stimmung. Die beiden Bilder weisen nicht einmal offensichtliche Gegensätze auf (wie z.B. Friedrichs zusammengehörende Werke „Sommer“ und „Winter“). Darum ist darauf zu schließen, dass der „Mönch am Meer“ und die „Abtei im Eichwald“ inhaltlich miteinander verknüpft sind. Dies ist jedoch auch nicht offensichtlich, da man die beiden Werke auch unabhängig voneinander deuten kann.
Typisch für Caspar David Friedrich ist auch bei diesem Gemälde eine sehr exakte und genaue Malweise zu erkennen, sowie eine sehr hoher Ordnungsgrad, welcher durch Achsensymmetrie verstärkt wird. Der Unterschied zu anderen Werken seiner Zeit ist die Darstellung der Natur. Der Maler bringt zwar das Verhältnis zwischen Mensch und Natur sowie die Verbindung Gottes mit dieser zum Ausdruck, wählt jedoch bei der Darstellung der Natur bewusst eine düstere. Die Kirchenruine inmitten der bedrohlich wirkenden Eichen verdeutlicht die Nichtigkeit des Irdischen und die Macht der Natur. Aufgrund dieser Naturdarstellung wurde Friedrich von dem französischen Bildhauer Pierre Jean David d’Angers als „Entdecker der Tragödie der Landschaft“ betitelt.
Caspar David Friedrich ist es gelungen, aus der Darstellung von dem, was der Menschheit ewig ein Rätsel bleiben wird, selbst ein Rätsel zu machen. Das Bild ist so komplex, dass kleine Details (z.B. der Körper Christi am Kreuz des Ruinenportals) erst mit Hilfe von Infrarotkameras sichtbar. Letztlich bleibt die Frage, ob das Gemälde lediglich eine religiöse Darstellung ist oder sogar die Prophezeiung seiner eigenen Beerdigung.

 

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