„La Gare Saint-Lazare“ Als man begann den Moment einzufangen

Nina Wolter/ Kunst

Auf den ersten Blick ist „La Gare Saint-Lazare“ nur eine schlichte Darstellung eines Pariser Bahnhof des 19. Jahrhunderts. Doch in diesem Bild verbirgt sich viel mehr, denn gerade das Festhalten eines Augenblicks war es, was Claude Monet zu dem Begründer einer neuen Kunstepoche machte.

Dass er Details außer Acht lies, um den Moment zu fangen war bisher völlig fremd. Monet malte den Bahnhof insgesamt elf Mal, zu unterschiedlichen Tageszeiten und Witterungen. Denn was für ihn zählte, war schließlich nicht der Inhalt, sondern die Lichteffekte und Reflektionen, wie hier sehr schön am Rauch der Dampflok zu erkennen. Nebenbei bemerkt ist dieses Bild zudem Sinnbild des technischen Umbruchs dieser Zeit: Die Eisenbahn und die darauffolgende Urbanisierung schufen eine Großstadtstimmung, dessen neue atmosphärische Reize Monet gekonnt einzufangen wusste.

Auch die Techniken Monets waren seiner Zeit ungewohnt: Er malte skizzenhaft, verwendete Erscheinungsfarben sowie zahlreiche Nuancierungen. Bisher hatte man großen Wert auf die detailgetreue Abbildung der äußeren Gegebenheiten geachtet. Monet erschuf eine Studie des Moments. Kandinski fasste den neuen Stil sehr passend zusammen: „Ich empfand dumpf, dass der Gegenstand in diesem Bild fehlte, und merkte mit Erstaunen und Verwirrung, dass das Bild mich nicht nur packt, sondern sich unverwischbar in das Gedächtnis einprägt.“. Ein neuer Stil war geschaffen: der Impressionismus.

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