Childish Gambino: „Because the Internet“ (1)

Joshua Kuhn/ Musik

Selbstreflektionen, Philosophien über den Tod, die Probleme des Internets: auf dem Album des Schauspielers Donald Glover findet man auf abwechslungsreiche Beats komplizierte Themen. Das alles verarbeitet von einem Virtuosen mit ganz eigenem Stil – real deep. Das Album erzählt die Geschichte des Protagonisten „The Boy“, ein fiktiver Charakter auf den Gambino sich selbst reflektiert.

 

Die Geschichte beginnt im Alter von neun Jahren, Der „Boy“ hat eine reiche Familie und keine Sorgen. Er fängt an, in Rap-Foren zu „trollen“. 15 Jahre später lernt er ein Mädchen namens Sasha kennen und lädt sie zu seiner Party ein. „Crawl“ ist ein kraftvoller Start ins Album, ein bedrohlich wirkender Bass wird von Streichern abgelöst.

Auf „Worldstar“ kritisiert Gambino die Internetgesellschaft, die für Aufmerksamkeit und Fame bereit wäre alles zu tun. Gleichzeitig strebt jedoch auch er an ein „Worldstar“ zu sein. Das Lied ist angelehnt an die Seite WorldStarHipHop.com. Lines wie

„Let me flash on ‘em, we all big brother now

Lil‘ sis, let her run around, money talking, you know the sound“ ,

sowie „we don’t wanna be on worldstar“ -Chantys über Jazzelemente im Outro machen das Lied außergewöhnlich.

In „The worst guys“ schmeißt der „Boy“ eine Party in seinem Haus. Zuerst ist die Stimmung gut, Gambinos Flow variiert perfekt zum Beat, der „Boy“  wird sehr arrogant aufgrund seines Reichtums („i ain’t fucking with you niggas like apartheid“). Doch gegen Ende der Party merkt er, dass seine Freunde nur an seinem Geld interessiert sind und nicht an ihm: „You only come around when you want to play pool in my hot tub“. Es folgt das erste Gitarrenoutro des Albums.

Auf „shadows“ wird der Beat dann schneller, Gambino erzählt von einer Trennung, souliger Gesang in der Hook („Tuesday afternoon, i ain‘t got shit to do, but fall in love with you“) und ein Outro das zuerst ruhig bleibt, dann jedoch ausbricht zu einem mächtigen Finale.

Doch der „Boy“ findet schnell zu einer alten Flamme zurück, indem er sich für sie ändert. „telegraph ave.“ ist ein sehr ruhiges Lied, der Titel bezieht sich auf die Telegraph Avenue in Oakland.

Den reichen arroganten Schnösel lässt der „Boy“ wiederum auf „sweatpants“ raushängen. Bewusst provokant:

„Yeah you got some silverware, but really are you eating though?“

„Rich kid, asshole, paint mea s a villain“

„and i’m born rich, life ain’t fair“

Seine Partys haben sich nicht verändert, er selbst sich dafür umso mehr: statt wie gewohnt mit der Crew zu feiern zieht sich der „Boy“ sich immer mehr zurück und verfällt in Melancholie:

„Got a house full of homies, why I feel so the opposite?“

„I’ve lost all hope of a happy ending […]

Cause we all just ticking time bombs, […]

And no matter where all of my friends go, Emily, Fam, and Lorenzo

All of them people my kinfolk, at least i think so, can’t tell

Cause when them checks clear, they’re not here“

Gambino’s Kommentar zu diesem Song ist ein schlichtes „I’m just really scared of being alone“.

Diese Problematik zieht sich auch durch die nächsten beiden Tracks. Der „Boy“ spielt lieber Piano, anstatt auf seiner eigenen Party zu feiern und am Ende von „The Party“ wirft er sogar seine Gäste raus.

„I ain’t invite all these people to my mothafuckin‘ house, get the fuck out of my house!“

Rap-technisch ist dieser Track einer der besten des Albums. Gambino rappt ungewohnt schnell, beherrscht den Flow des Beats gewohnt sicher, der Basston bestimmt, die Stimme monoton.

Kommentar verfassen